Garnelen richtig füttern – der Wochenplan aus der Zuchtanlage
Garnelen richtig füttern – der Wochenplan aus der Zuchtanlage
Die kurze Antwort
Garnelen brauchen wenig Futter, dafür abwechslungsreich – und zwei Fastentage pro Woche. Die Grundversorgung läuft über Biofilm und Laub im Becken, das zugefütterte Futter ist nur die Ergänzung. Faustregel: Was in zwei bis drei Stunden nicht weggefressen ist, war zu viel. Ein fester Wochenplan mit wechselnden Komponenten verhindert die typischen Fehler von allein.
Der wichtigste Grundsatz: weniger ist mehr
Überfütterung ist der häufigste und teuerste Fehler in der Garnelenhaltung. Nicht weil die Tiere dick werden – sondern weil Futterreste das Wasser belasten, Bakterienblüten auslösen und genau die Mitbewohner fördern, die niemand will: Planarien und Hydra. Und die holen sich dann den Nachwuchs.
Garnelen sind Dauergraser. Sie sitzen den ganzen Tag im Moos und schaben Biofilm ab. Dieser Aufwuchs – ein Belag aus Bakterien, Algen und Kleinstlebewesen auf allen Oberflächen – ist die eigentliche Nahrungsgrundlage. Er wächst ständig nach und ist immer verfügbar.
Was du zufütterst, ist Zusatz. In unserer Anlage in Essen füttern wir 75 Becken – und zwar auffallend sparsam. Die Becken, in denen am wenigsten Futter landet, sind seit Jahren die produktivsten.
Woran du erkennst, dass es zu viel war
- Futterreste liegen nach drei Stunden noch da
- Das Wasser wird milchig-trüb (Bakterienblüte)
- Planarien tauchen auf – kleine, flache weiße Würmer an der Scheibe
- Der Nitratwert steigt trotz regelmäßiger Wasserwechsel
Der Wochenplan
| Tag | Was | Warum |
|---|---|---|
| Montag | Fastentag | Nach dem Wochenende gut versorgt, Biofilm reicht |
| Dienstag | Pflanzlich – Gemüsechips, blanchierte Zucchini | Ballaststoffe, Vitamine, Beschäftigung |
| Mittwoch | Proteinreiches Futter | Wachstum, Häutung, Jungtierentwicklung |
| Donnerstag | Fastentag | Entlastet das Wasser vor dem Wochenende |
| Freitag | Frisches Laub, Erlenzapfen | Gerbstoffe, Biofilm-Nachschub, Dauerbeschäftigung |
| Samstag | Mineralien / Bakterienpräparat (alle 2 Wochen) | Zusammen mit dem Wasserwechsel |
| Sonntag | Hauptfutter | Solide Grundlage für die Woche |
So läuft es bei uns. Der Plan ist keine Vorschrift, sondern ein Gerüst – wichtig sind die zwei Fastentage und der Wechsel zwischen pflanzlich und proteinreich.
Die fünf Futtergruppen
1. Biofilm und Aufwuchs – die Grundversorgung
Der wichtigste natürliche Bestandteil und der einzige, der rund um die Uhr verfügbar ist. Fördern lässt er sich über viel Oberfläche: Moos, Laub, Wurzeln, Cholla-Holz, Schwammfilter. Ein Becken mit viel Struktur braucht spürbar weniger Zufütterung als ein leergeräumtes.
2. Laub und Naturprodukte
Seemandelbaumblätter, Erlenzapfen, Walnuss- und Brennnesselblätter. Sie geben Gerbstoffe ab, zersetzen sich langsam und dienen gleichzeitig als Dauerweide. Bei uns liegt in jedem Becken dauerhaft Laub. Walnussblätter vorher kurz überbrühen.
3. Pflanzliches Zusatzfutter
Gemahlene oder pelletierte Gemüse- und Kräuterkomponenten – Spinat, Paprika, Karotte, Brennnessel, Löwenzahn, Spirulina. Das ist die Gruppe, über die sich Abwechslung am einfachsten herstellen lässt.
4. Proteinfutter
Für Wachstum, Häutung und Jungtiere – aber in kleinen Mengen und nicht täglich. Zu häufige Proteingaben sind ein klassischer Fehler und einer der Hauptauslöser für Planarien.
5. Frischfutter
Kurz blanchierte Zucchini, Kürbis, Spinat oder Brennnessel. Ungespritzt und gut gewaschen. Nach spätestens 12 Stunden wieder rausnehmen.
Wie viel ist die richtige Menge?
Es gibt keine Grammangabe, die für alle Becken stimmt – zu unterschiedlich sind Besatz, Bepflanzung und Temperatur. Die praktikable Regel:
Gib so wenig, dass nach zwei bis drei Stunden nichts mehr da ist. Bleibt etwas liegen, war es zu viel – beim nächsten Mal halbieren. Verschwindet alles innerhalb von 20 Minuten und die Tiere suchen weiter, kannst du minimal erhöhen.
Für Jungtiere gilt eine Besonderheit: Sie erreichen grobe Pellets schlicht nicht. Hier braucht es fein gemahlenes Futter, das sich im Wasser verteilt und auf dem Moos landet. Mehr dazu unter Garnelen vermehren sich nicht.
Die häufigsten Fütterungsfehler
- Zu große Mengen – der Klassiker, Ursache Nummer eins für Planarien
- Jeden Tag dasselbe – einseitige Versorgung, sichtbar an blassen Tieren
- Zu viel Protein – fördert Bakterienblüten und Hydra
- Belohnungshäppchen zwischendurch – nett gemeint, hebelt jeden Plan aus
- Keine Fastentage – Garnelen brauchen sie, im Gegensatz zu vielen Fischen
- Kein Laub im Becken – nimmt den Tieren die natürliche Grundversorgung
Wenn deine Tiere trotz guter Fütterung blass bleiben, liegt es meist nicht am Futter – siehe Garnelen verlieren Farbe.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich Garnelen füttern?
Vier- bis fünfmal pro Woche reicht völlig, mit zwei Fastentagen. In stark bepflanzten, gut eingelaufenen Becken kommen viele Halter sogar mit drei Fütterungen aus.
Kann ich Garnelen zwei Wochen ohne Futter lassen?
In einem eingefahrenen Becken mit Moos und Laub überstehen Garnelen einen zweiwöchigen Urlaub problemlos. Vorher ein paar Erlenzapfen und Blätter mehr reinlegen – Automatikfütterer sind bei Garnelen eher ein Risiko als eine Hilfe.
Woran erkenne ich, dass meine Garnelen Hunger haben?
Sie grasen intensiv Scheiben, Moos und Boden ab und sind auffällig aktiv unterwegs. Das ist normales Verhalten – kein Notzustand. Echte Unterversorgung sieht man eher an ausbleibendem Wachstum bei Jungtieren.
Ist Fischfutter für Garnelen geeignet?
Nur als gelegentliche Ergänzung. Fischfutter ist meist deutlich proteinreicher als nötig und zerfällt schnell. Als Dauerlösung belastet es das Wasser unnötig.
Brauche ich Kalzium extra?
Die Mineralversorgung läuft bei Garnelen ganz überwiegend über das Wasser, nicht über das Futter. Wer bei GH 3 hält, löst das nicht über die Futterdose. Details unter Garnele häutet sich nicht – weißer Ring.
Was füttere ich Jungtieren?
Zuerst: gar nichts extra. Jungtiere leben in den ersten Wochen fast ausschließlich von Biofilm. Wer nachhelfen will, nimmt fein gemahlenes Pulverfutter in sehr kleinen Mengen.
Was wir selbst verfüttern
Unsere SHRIMPYS® Futterlinie ist genau aus diesem Wochenplan entstanden: rein pflanzliche Einzelkomponenten zum Kombinieren statt eines Alleinfutters. Bite als Pellets, Boost als Pulver, Pott als Mischrezeptur – Bestandteile einer abwechslungsreichen Fütterung. Wir stellen sie selbst her und verfüttern sie in unseren 75 Becken.
Passend dazu
- Garnelen verlieren Farbe – was wirklich hilft
- Garnelen vermehren sich nicht
- Garnelen für Anfänger
- Garnelen sterben nach dem Wasserwechsel
Noch Fragen?
Unsicher, ob du zu viel oder zu wenig fütterst? Beschreib uns kurz Besatz und Becken – wir sagen dir ehrlich, was wir ändern würden. Auch wenn dabei kein Produkt herauskommt.