Fische und Garnelen zusammen – was funktioniert und was den Nachwuchs frisst

Die kurze Antwort

Fast jeder Fisch frisst Garnelennachwuchs. Erwachsene Neocaridina überleben meist, Junge fast nie. Wer Nachzucht will, hält Garnelen artenrein. Wer ein paar erwachsene Tiere als Blickfang will, kann sie mit wenigen kleinmäuligen Fischen kombinieren – und muss damit rechnen, dass die Gruppe über ein Jahr langsam schrumpft. Bei Caridina kommt dazu, dass Fisch und Garnele unterschiedliches Wasser brauchen.

Warum das überhaupt schiefgeht

Eine frisch geschlüpfte Zwerggarnele ist zwei Millimeter groß, durchsichtig und bewegt sich. Für einen Fisch ist das kein Mitbewohner, das ist Futter. Das hat nichts mit aggressiv oder friedlich zu tun – ein Fisch frisst, was ins Maul passt und sich bewegt. Punkt.

Deshalb ist die Frage „ist der Fisch friedlich?" die falsche. Ein Skalar gilt als friedlich und räumt trotzdem jede Garnele ab, die er kriegt. Entscheidend ist die Maulgröße, nicht das Temperament.

Die Faustregel, die wirklich trägt

Je kleiner das Maul und je stärker der Fisch auf Aufwuchs statt auf Beute spezialisiert ist, desto eher geht es gut. Aber „geht gut" heißt bei jedem Fisch: die erwachsenen Garnelen überleben. Es heißt nie: der Nachwuchs kommt durch.

Wenn du also in zwei Jahren noch Garnelen im Becken haben willst, ohne nachzukaufen, gibt es genau eine sichere Antwort – und die heißt: keine Fische.

Was halbwegs funktioniert

  • Ohrgitterharnischwels (Otocinclus) – kommt der Sache am nächsten. Saugmaul, frisst Aufwuchs, interessiert sich nicht für Garnelen. Braucht allerdings ein eingelaufenes Becken mit echtem Algenbewuchs, sonst hungert er.
  • Perlhuhnbärbling (Danio margaritatus) – winziges Maul, ruhig, hübsch. Erwischt trotzdem Junggarnelen, wenn sie ihm vor die Nase schwimmen.
  • Zwergpanzerwelse – gründeln am Boden und sammeln dabei ein, was sie finden. Also auch Junge.

Das ist die ganze Liste. Alles andere, was im Internet als „garnelensicher" durchgeht, ist es bei genauem Hinsehen nicht.

Was gar nicht geht

  • Kampffisch (Betta) – wird am häufigsten gefragt und ist am wenigsten geeignet. Ein Betta jagt Garnelen aktiv, das ist kein Versehen am Rande.
  • Erbsenkugelfisch – frisst Garnelen und Schnecken, dafür ist er gebaut.
  • Guppy, Platy, Molly – Lebendgebärende sammeln alles Kleine ein, was sich bewegt.
  • Skalare, Buntbarsche, alles über etwa fünf Zentimeter mit normalem Maul – da verschwinden auch ausgewachsene Garnelen.

Der Punkt, an den kaum jemand denkt: das Wasser

Bei Neocaridina – Bloody Mary, Blue Dream, Yellow Fire – ist das kein großes Thema. Die laufen im Leitungswasser, und da fühlen sich viele Fische auch wohl.

Bei Caridina wird es dagegen unmöglich. Bienengarnelen stehen bei mir auf aufgehärtetem Osmosewasser, Leitwert 250 bis 350, pH unter 6,5, auf aktivem Soil. Die meisten Fische wollen härteres, neutraleres Wasser. Du kannst nicht beides gleichzeitig richtig machen – einer von beiden lebt dauerhaft am falschen Wert, und das rächt sich bei der Häutung.

Wer sich unsicher ist, welche Gruppe für ihn passt: Das steht im Ratgeber Neocaridina oder Caridina.

Was passiert, wenn man es trotzdem macht

Nichts Dramatisches, und genau das ist die Falle. Über Nacht verschwindet keine Garnele. Aber es kommt eben auch nichts nach. Nach einem halben Jahr fällt auf, dass die Gruppe kleiner geworden ist. Nach einem Jahr sitzen noch drei alte Tiere im Becken, und der Rest ist Geschichte.

Wer dann nach der Ursache sucht, landet bei Wasserwerten und Futter – dabei war es der Fisch. Wie man ausschließt, dass es doch am Wasser liegt, steht im Ratgeber Garnelen bekommen keinen Nachwuchs.

Die Mitbewohner, die niemand auf dem Zettel hat

Wer Bewegung im Becken will, ohne den Nachwuchs zu verlieren, nimmt keine Fische, sondern das hier:

  • Schnecken – Posthorn- und Turmdeckelschnecken haben kein Maul, das einer Garnele gefährlich wird. Sie arbeiten den Bodengrund durch und fressen Futterreste weg.
  • Zwergflusskrebse – der CPO ist deutlich harmloser als sein Ruf, holt sich aber gelegentlich ein Tier, das sich gerade häutet. Für ein reines Zuchtbecken also nichts.

Und unter 30 Liter: gar keine Fische

Das ist unabhängig von Garnelen. In einem Nano-Becken hat kein Fisch genug Platz – auch kein kleiner. Ein Kampffisch in zehn Litern ist kein Kompromiss, das ist zu wenig.

Garnelen dagegen sind in dieser Größe zu Hause. Wie viele hineinpassen, steht im Ratgeber Wie viele Garnelen für 30 Liter.

Der häufigste Fall: Das Becken läuft schon mit Fischen

Danach werde ich am öftesten gefragt, und da ist die Antwort weniger streng. Wenn dein Becken seit Jahren mit ein paar kleinen Fischen läuft und du einfach ein bisschen Leben am Boden willst, dann setz eine Handvoll robuster Neocaridina dazu und sieh es realistisch:

  • Nimm mehr Tiere als du denkst – 20 statt 10. Ein Teil verschwindet, und eine zu kleine Gruppe versteckt sich nur.
  • Bau ihnen Deckung: Moos, Laub, eine Wurzel mit Ritzen. Nachwuchs, der sich verstecken kann, hat wenigstens eine Chance.
  • Rechne nicht mit Nachzucht. Wenn doch welche durchkommen, ist es ein Geschenk.
  • Nimm die farbkräftigsten Tiere. Was du seltener siehst, soll wenigstens auffallen, wenn es zu sehen ist.

Was du dagegen lassen solltest: teure Caridina in ein Fischbecken setzen. Das ist Geld, das du nach ein paar Monaten nicht mehr wiedersiehst.

Was ich selbst mache

In meinen 75 Becken schwimmt kein einziger Fisch. Nicht aus Prinzip, sondern weil ich Nachzucht will – und mit Fisch im Becken gibt es keine. Das ist die ganze Begründung.

Und weil hier regelmäßig danach gefragt wird: Fische bekommst du bei mir nicht. Ich züchte Garnelen, dazu Krebse und Schnecken. Für Fische gehst du besser zu einem Händler, der sich damit auskennt – da bist du mit deinem Tier besser aufgehoben als bei jemandem, der es nebenbei mitverkauft.

Aus unserer eigenen Anlage

Wenn du dich für ein reines Garnelenbecken entscheidest: Neocaridina laufen im Leitungswasser und verzeihen Anfängerfehler. Caridina brauchen Osmosewasser und etwas Erfahrung. Beide kommen aus meiner Anlage in Essen – deutsche Nachzucht, keine Importe.

Neocaridina ansehen → · Caridina ansehen →

Passend dazu

Noch Fragen?

Du hast schon ein Becken mit Fischen und überlegst, ob Garnelen dazupassen? Schreib mir mit Beckengröße, Besatz und Wasserwerten. Ich züchte seit über 15 Jahren in Essen – 75 Aquarien, nur deutsche Nachzuchten – und sage dir ehrlich, ob das funktioniert oder ob du dir die Tiere sparst.

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Lukas John, Garnelenzüchter aus Essen – Garnelen-Pott.de
Geschrieben von

Lukas John

Garnelenzüchter aus Essen-Gerschede. Seit über 15 Jahren, inzwischen 75 Aquarien – nur deutsche Nachzuchten, keine Importe. Was hier steht, kommt aus der eigenen Anlage, nicht aus einem Katalog.

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